Mit Listenhund in Lippstadt

Mit Listenhund in Lippstadt

Lippstadt – auch als Klein-Venedig bekannt, da die Lippe direkt durch die Stadt fließt, ist meine Heimat. Hier bin ich aufgewachsen und auch nach dem Studium zurück gekehrt. Als die Entscheidung für einen Dogo Argentino fiel, war mit bewusst, dass der Dogo in NRW auf der Liste steht. Doch was die Steuern betrifft, handhabt das jede Gemeinde anders. Wir zahlen hier in Lippstadt jedes Jahr ca. 570 Euro an Hundesteuern, da der Dogo Argentino eben als gefährlich eingestuft wird. Ein Ort und nicht mal vier Kilometer weiter, kann nach dem bestandenen Wesenstest eine Steuererleichterung beantragt werden. So zahlt man nur noch 40 Euro im Jahr. Da ich mich hier aber super eingelebt habe, kommt ein Umzug nicht mehr in Frage.

Trinco vor der Marienkirche in Lippstadt

Doch was bedeutet es überhaupt, einen Listenhund zu führen? Bei der Anmeldung musste ich ein Führungszeugnis vorlegen (da ich schon so viele Verbrechen begangen habe, war das nicht leicht) und der Hund muss mit sechs Monaten einen ersten kleinen Wesenstest machen, denn ansonsten müsste er draußen mit Maulkorb und Leine (hier in Lippstadt gilt übrigens für alle Hunde LEINENZWANG) herumlaufen. Da Trinco von klein auf in der Hundeschule war, konnten wir diesen ersten Test auch dort ablegen: Geräusche, Jogger, Walker mit Stöcke, Männer mit dunklen Umhängen und unterschiedliche Geräusche schienen ihn aber völlig kalt zu lassen. Schon da orientierte er sich sehr stark an uns. Die Hundeschule hielt alle Ergebnisse fest und mit einer Bestätigung, dass wir mindestens alle zwei Wochen weiterhin die Hundeschule besuchen, wurde uns eine Maulkorb- und Leinenzwangbefreiung bis zum zweiten Lebensjahr erteilt. Juchuuuu…. Die Jahre vergingen aber so schnell und der „große“ Wesenstest stand bevor. Um uns auch vernünftig darauf vorzubereiten, besuchten wir einen in der Hundeschule angebotenen Kurs „Vorbereitung auf den Wesenstest“. So wusste man schon einmal, was einen erwartet. Im August 2016 war es dann so weit. Fast 1 ½ Stunden wurde alles geprüft, was so geprüft werden konnte: Wie verhält sich Trinco gegenüber anderen Hunden? Wie findet er es, abgetastet zu werden? Lässt er sich Futter wegnehmen? Wie reagiert er auf pöbelnde oder betrunkene Menschen? Auf Menschen mit Kinderwagen oder Krücken? Auf schreiende Menschen? Auf Menschenmassen? Auf laufende Kinder, die dabei schreien? Wie reagiert er auf Menschen, die ihn drohen, wenn keine Bezugsperson da ist? Was macht er, wenn jemand pöbelnd in einen engen, dunklen Raum kommt und nur das Frauchen dabei ist? Und…und…und. Sobald der Hund auch nur die Ohrenknorpel aufstellten, gab es keine 1 mehr, sondern nur noch eine 2 oder sogar eine 3. Aber Trinco hat es wirklich super gemeistert und das Aufstellen der Ohrenknorpel habe ich einfach mal als Neugierde oder Interesse seinerseits festgelegt. Das Ganze wurde natürlich auch noch auf Video aufgenommen und die Ergebnisse sehr ausführlich zugeschickt. Damit musste ich dann zum Amt und konnte zwei Wochen später endlich die Bestätigung in der Hand halten, dass mein Hund ohne Maulkorb durch die Gegend rennen darf. Trotzdem ist Trinco natürlich an einen Maulkorb gewöhnt…das finde ich auch gut so. Wir setzen ihn zum Beispiel beim Tierarzt auf oder haben ihn in der Stadt dabei, wenn es doch mal eng wird. So wird er wenigstens nicht immer angefasst.

Trinco auf dem Marktplatz von Lippstadt

Leider weiß ich bis heute nicht genau, was die Stadt für die Hunde mit den Hundesteuern macht. Hier in Lippstadt gibt es einige Kotbeutelständer und eine Hundewiese, die allerdings noch nicht einmal eingezäunt ist. Sehr schade für eine Stadt, die doch meine Heimat ist.